Geburtsfisteln treten in westlichen Ländern mit guter medizinischer Infrastruktur kaum noch auf; umso häufiger aber in Entwicklungsregionen mit unzureichender Versorgung, wo Notkaiserschnitte nicht rechtzeitig verfügbar sind und präventive Aufklärung fehlt. Bei unbegleiteten Geburten, insbesondere wenn das Kind lange im Geburtskanal feststeckt, wird durch den starken Druck die Durchblutung des mütterlichen Gewebes unterbrochen, stirbt ab, löst sich und hinterlässt eine Fistel, also einen unphysiologischen Gang zwischen Scheide und Blase oder Enddarm. Urin oder Kot können nun unkontrolliert aus der Vagina austreten.
Fisteln heilen fast nie von allein ab und die Betroffenen leiden dauerhaft an Harn- und/oder Stuhlinkontinenz. Darüber hinaus verlieren laut UN-Angaben ca. 90 Prozent der Frauen mit einer Fistel ihr Baby. Besonders betroffen sind sehr junge, oft schlecht ernährte Mütter, bei denen das Becken noch nicht ausgewachsen ist.
Die betroffenen Frauen leiden erheblich: nicht nur an den gesundheitlichen Folgen, sondern auch an sozialer Isolation, oft ausgelöst durch den ständigen die Krankheit begleitenden Geruch, an der Verstoßung durch ihre Familien oder Ehemänner, an Stigmatisierung und Ausgrenzung am Arbeitsmarkt.
Doch Geburtsfisteln sind kein unheilbares Schicksal. Sie können durch mikrochirurgische Eingriffe in der Regel nachhaltig verschlossen und durch Präventionsmaßnahmen erfolgreich vermieden werden.
Unser lokaler Projektpartner in Nepal, das International Nepal Fellowship (INF), ist eine der ältesten Nichtregierungsorganisationen Nepals mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Arbeit mit gesundheitlich benachteiligten Menschen und Gemeinschaften. Bereits vor Jahren hat das INF eine Fistula-Klinik errichtet, in der diese Krankheit erfolgreich operiert werden kann. Inzwischen ist diese Klinik in staatliche Hand überführt und das INF kann sich zunehmend auf Aufklärung und Ausbildung sowie auf die Stärkung der Überweisungswege konzentrieren. Unser Projekt, das wir mit unserem deutschen Projektpartner, TERRA Projekte International e.V., ermöglichen, ist als Outreach-Programm für eine der strukturell schwächsten Regionen des Landes konzipiert. Weit im Westen Nepals liegt der Bezirk Bajura; Kranken-
Transportkosten, die Quoten für Schulabbruch, Frühverheiratung und Teenager-Schwangerschaften sind hier alarmierend hoch; Geburtsfisteln entsprechend weit verbreitet.
Im Zentrum unserer Maßnahmen steht die Befähigung von Betroffenen und Akteuren im lokalen Gesundheitssystem, Geburtsfisteln zu vermeiden, ihre Symptome frühzeitig zu erkennen und erkrankte Frauen dorthin zu überführen, wo sie durch eine professionelle operative Versorgung nachhaltig von dieser lebenseinschränkenden Krankheit und den mit ihr verbundenen mentalen Belastungen und sozialen Stigmatisierungen befreit
werden können.
Zielgruppe
Das Projekt richtet sich an Gesundheitspersonal der Primärversorgung, ehrenamtliche Gesundheitshelferinnen (FCHVs), geburtshilflich tätiges INF-Fachpersonal; auf Gemeindeebene an Mütter-, Selbsthilfe- und weitere Gemeindegruppen sowie die an einer Geburtfistel erkrankten betroffenen Frauen.
Aufklärung in den Gemeinden
Ausbildung von Klinikpersonal
Stationäre Versorgung
Mikrochirurgie
Individuelle Beratung
Betreuung der Familie
Maßnahmen
Die Dr. Birk Foundation stellt Finanzmittel bereit für
- Orientierungsveranstaltungen zur Vertiefung von Fachwissen und Überweisungsprozessen
- Aufklärungsveranstaltungen in den Gemeinden im Distrikt Bajura
- Ausfindigmachen und Aufklärung von betroffenen Frauen und Mädchen
- Weiterbildung von Geburtshelferinnen
- Optimierung und Stärkung von Überweisungswegen und Behandlungszugängen
- Prävention durch Förderung der Geburtsbegleitung
Laufzeit
2027 - 2029
Unsere Projektpartner
TERRA Projekte International e.V., Marburg, Deutschland
International Nepal Fellowship (INF), Pokhara, Nepal
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